I’ve got a life beyond emulation – Eine Liebeserklärung

Als ich mit dem Thema BDSM begann, ging ich sehr offen damit um. Schon damals gab es einen Blog, einige Freunde kannten ihn, ich redete darüber. Es ist in dieser Zeit viel passiert und es lag nicht nur an meiner Offenheit den falschen Menschen gegenüber, aber ich habe einen hohen Preis bezahlt.

Jetzt bin ich wieder an dem Punkt, nur einige Jahre älter. Ich wähle den Freundeskreis vorsichtiger und treffe auf Menschen mit mehr Neugier, mehr Mut, auf ähnliche Verrücktheiten und Vorlieben. Ich treffe auf Menschen, mit denen ich offen reden kann wie noch nie.

Zwei Szenen:

  • Freitag Mittag, ich sitze mit zwei Freundinnen in einem Cafe. Wir reden über die klassische heterosexuelle BDSM-Beziehung von Freundin A, neben der es noch eine junge Frau gibt, mit der sie ihre dominante Seite erkundet. Wir reden über die Dreierbeziehung von Freundin B, ihren Freund, der sich mit ihr nicht nur eine weitere Sub, sondern vor allem eine geliebte Partnerin in eine bestehende Beziehung geholt hat und in der nun Prioritäten geklärt werden mussten. Und wir reden über meine Dates mit C und NHD. Dabei sind wir leider so ausgelassen, dass sich in ein, zwei Momenten andere Besucher des Cafes nach uns umdrehen, weil wir das Wort „Ficken“ vielleicht doch zu laut ausgesprochen haben. Aber vor allem wird gelacht, sich umarmt, wir hören zu, stellen die richten Fragen, helfen uns gegenseitig dort anzukommen, wo wir hinwollen, vollkommen egal, wie konform unsere Ideen von Liebe und Leben mit den gesellschaftlich akzeptierten Modellen gehen. Wir sind wir und wir lassen uns uns sein.
  • Samstag abend. Ich sitze mit drei anderen Freunden im Auto, unterwegs zu einer Dance & Play-Party, der Gothic Erotik Party . Freundin C hinterm Steuer war meine Zirkelschwester und ist zu einer wichtigen Gesprächspartnerin, nein, Herzensfreundin geworden. Wir gehen auf Parties im Swingerclub, bald auf ein Musik-Festival, wir reden offen über alles. In diesem Fall unter anderem über Entwicklungen in ihrer Beziehungen und ein Sexspielzeug, dass sie mir tatsächlich ausleihen würde (ich bin noch immer baff deswegen =D). Auf der Rückbank zwei Freunde. Freund D ist mein übliches +1 für diese Party, er stammt aus dem Gothic-Bereich und ist zwar nicht im BDSM unterwegs, guckt sich das aber gerne an. Mit ihm sitze ich dann auf solchen Partys, wir gucken schönen Leuten hinterher, unterhalten uns über Gott und die Welt und die Körpersprache der jungen Frau, die gerade von ihrer Begleiterin gefingert wird oder ich stehe nahezu nackt neben ihm, weil sich das aus der Spielsituation mit einem Herrn so ergibt. Wir wissen sehr viel voneinander, körperlich wie seelisch, bleiben dabei aber stets Freunde, eher Geschwister. Mit Freund E war ich schon häufiger in der Grufti-Disko tanzen und es gab ein, zwei Gespräche über das ganze Sex- und BDSM-Thema. (Es ist irgendwie schwierig, wenn es für einen Menschen mehr ist als ein verschämtes Thema hinter der vorgehaltenen Hand, wenn es ein wirkliches Interesse ist. Ich lese darüber, schreibe dazu, und wenn dann eine Bekannte darüber redet, dass ihr Mode-Influencer-Dingbums-Account ja soundso viele Follower hat und ihr Blog so viele Abonennten, lächle ich mild, weil ich mein Webadresse nunmal nicht wie sie in ihren Lebenslauf setze. Weil mein Thema ist ja mindestens kritisch. Und so ist es auch bei Freundschaften, wenn ein Freund nicht irgendwann mal mit einem Partner/einer Partnerin anrückt oder irgendwann mal irgendwas zu dem Thema erzählt, frage ich nach. Aber vorsichtig. Eher zaghaft. Man weiß ja nie. Aber verdammt, ich bin neugierig. Talk to me. Was hast du erlebt? Was erhoffst du dir?) Auch er ist und wird nicht in der BDSM-Szene zuhause sein, aber das Zugucken, Erleben und Fühlen der Vibes auf solch einer Party hat ihm wohl zugesagt. Ich rechne es gerade „Außenstehenden“ sehr hoch an, wenn sie mich zu solch einem Event begleiten und sich einfach selbst ein Bild machen. Denn es gibt so viele falsche Bilder und Erwartungen von der BDSM-Szene, die man da sehr schnell revidieren kann. Und gleichzeitig erlebt man mich in einem Umfeld, in dem ich mich ungemein wohl fühle, in dem ich aufblühe, wie ich es nur da kann. Sie begeben sich aus ihrer Komfortzone raus in ganz neue Gefilde, um auch mich richtig kennenzulernen. Das ist schon ein großes Kompliment.

Und es gibt noch so viele andere Szenen. Lachkrämpfe in der Mensa, weil die Big Dick-Party leider kein steifes Event war. Diskussionen über Spielzeuge und deren Einsatz. Miniatur-Malsessions mit Gesprächen über den Geschmack von Sperma, unentdeckte Spuren des letzten Dates und die Art und Weise mit persönlichen Entwicklungen in Beziehungen umzugehen.

Hiermit wollte ich mich bei euch bedanken, ihr werdet genau wissen, dass ihr gemeint seid =) Ihr bereichert mein Leben ungemein, ihr wetzt Scharten aus, die andere vor euch gezogen haben, lasst Narben endlich verblassen und mich ankommen in meiner Welt. Ich hoffe, ich werde euch dabei gerecht und helfe euch in eurer Welt weiter. Danke für jedes Gespräch, jede Umarmung, einfach alles. Ich hab euch lieb <3

Ein Gedanke zu „I’ve got a life beyond emulation – Eine Liebeserklärung“

  1. Hallo Tara, schön deinen Wandel mitzuerleben und dich ein Stück deines Weges zu begleiten. Erstaunlich wie du aufblühst und deine Erfahrungen sammelst. Auch BDSM ist ein bunter Blumenstrauss. Nur überstürtze nicht alles. Lass dir Zeit, du versäumst nichts. Früher zu meiner Zeit, war es nicht so einfach kn der Öffentlichkeit so frei und offen zu bewegen und seine Neigung so auszuleben. Behalte deine Natürlichkeit. Aber behalte die Gefahren im Auge.

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