Alter Schwede, und Du siehst so nett aus! – Stammtisch, Shibari und eigentlich auch ein Date mit Twin

Akt I: Der Stammtisch

Mitten in der Prüfungsphase, 2 Tage vor der nächsten Klausur, gestresst, genervt, müde. Zeit zum Ausbrechen! Ich hatte mir schon vor Wochen vorgenommen, zu diesem Treffen des Stammtisches zu gehen, dachte ich mir doch, dass ein wenig Abschalten mit ganz gut täte.

Und so war es dann zwar zeitlich knapp, als Abendessen musste der Kakao in der Tasche ausreichen, aber ich saß abends in dieser tendenziell eher schwarz-bunten Truppe und lauschte der Diskussion zum Thema Switcher. Nicht Fisch noch Fleisch, oder eben genau beides? Können Switcher mit echten Doms mithalten? Warum halten manche Switcher ihre submissive Seite geheim? Und warum möchten manche Subs nicht einsehen, dass sie doch ganz schön dominant sein können? Fragen über Fragen. Natürlich findet man da keine allgemeingültigen Lösungen, aber es ist einfach sehr spannend mit “Betroffenen“ direkt zu diskutieren und sich deren Gefühlswelt ein Stück weit erklären zu lassen.

Akt II: Shibari

Ich war an diesem Abend nicht alleine unterwegs, eine Freundin begleitete mich. Twin war das erste Mal auf einen Stammtisch und war etwas nervös, aber genoss genau wie ich die Zerstreuung von all dem Gelerne. Und kaum verließ ich nach der Diskussion für ein paar Minuten den Raum (Ja, gut, es waren ein paar mehr), fand ich sie nach meiner Rückkehr als Bunny in einer Handfesselung wieder. Ich durfte auch mitmachen und genoss trotz Kreislauf und Hitze diesen Moment, in dem sich das Seil um den Oberkörper straff zog. Dieser eine Moment, dieses erste feste Seil, der Druck, der den Schalter umlegt und Ruhe schenkt. Tagsüber hatte ich sehr zu kämpfen, schon direkt nach dem Aufstehen dachte ich “Das ist heute kein Tag für die Seile“, denn da war kein Stückchen Stille in mir. Und ganz ohne Stille ist es schwierig, da fehlt der Angriffspunkt. (Ich hoffe, man versteht was ich damit ausdrücken will.) Aber ich fand mich dort wieder und erlaubte mir trotz fließendem Schweiß einen Moment der Entspannung und des Abhebens. Dennoch war ich nach dem Lösen der Seile ganz froh, mich mit einer Cola erstmal in einen der Sessel zurückzuziehen. So hatte ich den besten Blick für das nun Folgende.

Akt III: Twin

Meine Begleiterin wurde nun aktiv und nahm den jungen Mann, der eben noch sie eingeschnürt hatte, in die Seile. Man sah ihr den Spaß dabei an, spürte auch als Zuschauer, wie sie in dieser Szene ohne Zögern die Führung übernahm und ihr Opfer verschnürte, in die Knie zwang und den Moment noch für einen ordentlichen Klaps auf den Hintern nutze. Sie blühte dabei richtig auf, es war faszinierend, diese Verwandlung zu sehen. Sonst eher ruhig und gerade in neuem Umfeld sehr vorsichtig, fiel da ein Schalter und eine Tür öffnete sich.

Twin ist eine gute Freundin von mir. Wir kennen uns aus der Uni, durch den Ring an meiner Hand fanden wir uns in dem Thema BDSM. Ich wusste, es gibt einen dominanten Partner, aber irgendwann erfuhr ich, dass auch sie selbst neben ihrer devoten eine dominante Seite hat. Sie erzählte mir ausführlich davon und ihre Worte weckten meine Neugier. Das verwirrte mich. Bisher waren es vor allem Männer, älter als ich, mit einer körperlichen Präsenz die alleine schon ein gewisses Machtgefälle mit sich bringt. Aber sie… weiblich, jünger, im Vergleich zu mir eher zerbrechlich (ich sehe an dieser Stelle ihren kritischen Blick). Ich überlegte. Traute mich nicht zu fragen. Überlegte weiter. Und bot schließlich an, als Übungsobjekt zur Verfügung zu stehen, wenn sie den Umgang mit Schlagwerkzeugen o.ä. lernen möchte. Nach einiger Überlegung nahm sie dieses Angebot an, und zusammen mit der Idee, dass sie mich mal in die Seile nimmt, lag diese Möglichkeit zwischen uns und entwickelte sich. Bis zu diesem Stammtisch.

Akt IV: Das Spiel

Ich war neugierig. Wollte es jetzt endlich wissen. Wollte diese Möglichkeit anfassen und erforschen und ihr ging es wohl nicht anders. Schließlich landeten wir nach der Diskussion, dem Shibari und einigen Gesprächen in einer ruhigen Ecke im Apartment. Und wir spielten. Ich war vollständig bekleidet und trug eine Augenbinde. Dabei saß ich, meine Hände auf Kopfhöhe rechts und Links fixiert, mein Hals in einem Reif an der Konstruktion hinter mir befestigt.

Sie verschnürte meine Beine, zog sie an einem Fesselpunkt nach oben und ich erlebte zum ersten Mal, dass ein Körperteil im Seil hängt. Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich an dieses Gefühl zu gewöhnen und mich den Seilen anzuvertrauen. Dann schlug sie zu, mit der flachen Hand auf meine Oberschenkel. Wieder und wieder. Ich kämpfte mit dem Grübeln, der Situation, mit „Ist das wirklich ok, mit einer Freundin? Geht ihr da nicht zu weit? Wird es etwas ändern? Kann ich dabei abschalten?“ und mit jedem Schlag wurde es ruhiger in meinem Kopf. Tatsächlich schaltete ich ab und konnte einfach in der Situation sein. Ich habe es sehr genossen, habe meinen Körper dabei beobachtet, wie er sich hingab, spürte, sich davon erregen ließ und nahm bei meinem Gegenüber genau dasselbe war. Das war ein toller Moment, frei von Zweifeln, irgendwo im Rausch zwischen den Schlägen, dem Nadelrad auf meiner Haut, den Ohrfeigen.

Aftermath

Jetzt, zwei Tage später und nach der letzten Prüfung, beginne ich, das Erlebte einzusortieren. Ich werde ein bisschen Zeit brauchen, diese beiden Ebenen zu trennen. Meine beste Freundin, die manchmal beinahe bei mir wohnt, neben mir im Bett schläft, mit der ich über alles reden kann, die ich vermisse, wenn wir uns länger nicht sehen. Und jetzt die Frau, die mir ins Gesicht schlagen, mich erregen kann, die Macht ausübt und dabei so selig über das ganze Gesicht grinst. Es passiert das, was immer passiert, wenn ich spiele, die Gefühle werden intensiver, alles spielt sich sehr knapp unter der Oberfläche ab. Jetzt sitze ich hier und vermisse sie noch so viel mehr. Ich werde wirklich viel sortieren müssen, bis in mir wieder Ruhe herrscht, bis ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man mit der besten Freundin spielt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit uns, es gibt da Ideen, Kopfkino, aber auch konkrete Pläne. Aber erstmal… sortieren.

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