Ein Lächeln, hergewendet

“Du wirst mir heute etwas schenken.”
Ich sah ihn verwirrt an. Aber mehr verriet er mir nicht, während er die Lederfesseln um meine Handgelenke legte, und sie mit einem Doppelkarabiner verband.

Er zog mich auf die Beine, wir gingen zu der Kette, die von der Decke baumelte. Er befestigte meine Hände an dieser Kette, überprüfte den Winkel, in dem meine Arme hingen. Hoch genug, aber nicht zu unbequem. Dann griff er zur Spreizstange, die er schon bereitgelegt hatte.

Ich positionierte meine Füße und er befestigte auch hier die Lederfesseln. Ich stand sicher, solange ich mich nicht zu viel bewegte.
Er legte seine Hände an mein Gesicht, küsste mich innig und lang. “Ich liebe dich.” Und dann setzte es die erste Ohrfeige.

Erregung floss durch meine Adern. Zack, Nummer zwei. Drei. Vier. Dazwischen kurze Pausen, ein zärtliches Streicheln über die heiße Haut. Dann wieder ein Kuss.
“Dreh dich um, aber vorsichtig.”

Ich tänzelte ein wenig mit der Stange umher, dann hatte ich ihm den Rücken zugewandt. Der Flogger streichelte mich warm, bereitete mich auf die Peitsche danach vor. Mein Rücken brannte unter den kantigen Riemen.

Und dann die Gerte. Ich musste mich konzentrieren, nicht reflexartig auszuweichen, nicht den Halt zu verlieren. Die kleinen ausweichenden Trippelschritte nach vorne waren nicht möglich.

Er ließ mir viel Zeit zwischen den einzelnen Schlägen. Ich konnte jeden Schlag genießen, des Brennen, das Abklingen, das Pochen, atmete den Schmerz und den Geruch meiner Erregung.

Plötzlich seine Hand auf meinen Schultern, an meinem Hals. Er griff zu, nahm mir die Luft, zusammen mit leisen Küssen auf die Schulterblätter. Ich wartete. Wartete. Hielt aus. Kleine Küsse, kleine Geräusche. Noch hielt ich aus.

Dann ließ er mich wieder atmen, seine Hand an meinen Lippen, ich atmete durch seine Finger, schloss meine Lippen um sie, küsste ihn. Seine andere Hand glitt über meinen Rücken, seine Fingernägel zogen leise Spuren.

“Du sagtest mal, dass dein Gehirn Gedichte aufsagt, wenn es sich langweilt. Bevorzugt bei schlechtem Sex.”
Ein Lächeln huschte über meine Lippen. “Das kann passieren…” flüsterte ich leise.

“Rilke, sagtest du”
“Exakt.”
“Ich möchte es hören. Ohne langweiligen Sex.”

Ich lachte auf. “Was?”
“Trag es vor.”
“Jetzt?”
“Ja. Ich motiviere dich auch ein bisschen.”
Zack, die Peitsche. Heißes Brennen auf dem Rücken.

Zack, nochmal.
Zack.
Ich räusperte mich. und begann zu sprechen.
Zack.

“Du musst schon ein wenig lauter reden.”
Zack.
Ich lachte nochmal kurz auf, der Skurrilität der ganzen Situation geschuldet.
Zack.

Und dann hob ich den Kopf und schenkte es ihm, das Karussel,
mit all seinen Pferden und dem Elefanten,
im Takt seiner Schläge.

4 Gedanken zu „Ein Lächeln, hergewendet“

  1. Beides hat mit Kunst zu tun! Rilke und das Setzen der Schläge. Hinter beiden steht eine ausserordentliche Kraft. Herrliches Kopfkino, danke dafür. Dein Wandel von der Sub zur stolzen Frau ist unverkennbar.

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