Technischer Seilkram

Es mag den einen oder anderen überraschen, aber für Shibari braucht man Seile =) Und hier fängt es an, kompliziert zu werden. Kauft man fertige? Kauft man Rohware, und behandelt diese selber? Wenn ja, wie genau? Und welches Material nimmt man eigentlich dafür? Hanf? Jute? Eine Mischung?

Und welchen Durchmesser, mit 5mm hat man kleinere Knoten, die weniger drücken, mit 6mm hat man mehr Auflagefläche, die Seile schneiden weniger ein. Achja, und wie lang sollen die Seile sein? Die klassischen 8m, oder die ein wenig längeren 10m, passend für den etwas korpulenteren Nicht-Asiaten?

Ich habe mich für den einfachen Weg entschieden und habe fesselfertige Seile gekauft, Twin dagegen hat sich Rohware (also Hanfseile) bestellt und diese zu fesselfertigen Seilen verarbeitet. Dafür muss man diese Seile abkochen (Waschmaschine oder im Kochtoch), unter Spannung trocknen und dabei mehrfach nachspannen (3-7 Tage), Brechen (durch eine Öse ziehen und dabei die rauen Fasern aufbrechen), mit einem Bunsenbrenner/Sturmfeuerzeug flämmen um die losen Fasern wegzubrennen, feucht reinigen um die Rückstände zu entfernen, wieder unter Zug trocknen und die Seile schließlich mit Öl oder Wachs einreiben (Kokosöl oder Jojobaöl). Den letzten Schritt sollte man nach 1 bis 2 Monaten wiederholen.

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Unsere Seile unterscheiden sich natürlich. Twins Hanfseile sind noch härter und riechen tatsächlich sehr… hanfig (wir diskutieren noch, ob mehr nach Wiese oder nach Pferd. Aber definitiv nicht unangenehm, also ein schönes, wohlriechendes Pferd). In meinen steckt eine Mischung aus Hanf und Jute und sie riechen kaum. Sie hat die Seillängen unterschiedlich aufgeteilt, es gibt bei ihr mehrere 8m-Seile und eines mit 5m. Um die Seile mit nur einem Blick auseinanderzuhalten, hat sie die Seilenden farbig markiert.

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Ich gebe zu, ich habe mich für die Luxusvariante entschieden, ein Seil liegt bei ca 35 Euro und wurde gerüchteweise von japanischen Jungfrauen im Licht des Vollmonds weichgekaut. An dieser Stelle möchte ich die Menschen von Baumwollseil herzlich grüßen =D Ärgerlich war allerdings, dass meine Seile mit einem schlichten Überhandknoten gesichert waren. Dieser Knoten verbraucht relativ viel Seil und ist ziemlich dick. Dickere Knoten können Druckstellen verursachen und sind ungünstig, wenn man das Seil zum Beispiel durch eine engere Schlinge ziehen möchte. Twin hat sich dieser Knoten angenommen =)

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Hier als Vergleich, oben der alte Knoten, unten der Thistle-Knot (Youtube-Video zum Nachknoten). Die Enden haben wir gekürzt und mit bunten Fransen versehen, passend zur selbstgenähten Seiltasche.

Ein Gedanke zu „Technischer Seilkram“

  1. Interessant die Seilkunde. Danke dafür. Habe wieder etwas dazugelernt. Man lernt ja nie aus. Aber ein Highlight werden kunstvolle Fesselungen aber auxh nicht mehr werden. Doch interessieren tut’s mich alle mal.

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