„Ich hab schon wieder Lust, dich zu schlagen“ – Ein Fessel-Abend mit den VIPs (incl. Twin)

Am Samstag fand es statt, DAS Event, auf das wir seit einigen Wochen fieberten: Die Sapiosexuelle Bondagelounge in Köln, veranstaltet von der Literaturfee mit dem Ehrengast Osada Steve. Ich bin bis heute darüber erstaunt, dass wir auf der Gästeliste gelandet sind, und ich bin dafür sehr dankbar.

Es war klar, es wird voll und die Gäste, nicht nur der Ehrengast, werden gerade für uns Anfänger auf diesem Gebiet viel zu bieten haben. Also packten wir unsere Seile, Essen für’s Buffet und Übernachtungskram ein, und fuhren gen Köln.

Twin hat zu diesem Abend bereits auf Twitter einen Bericht geschrieben, den ich hier freundlicherweise übernehmen darf:

„Ich bin keine Bloggerin und hab auch nicht vor eine zu werden, also werd ich hier ein wenig tippern.

Der Fesseltreff ist eine BondageLounge im Kölner Raum gewesen, durch die Ankündigung von OsadaSteve waren es rund 80 Anmeldungen auf der Liste und auch in etwa die Anzahl der Menschen, die tatsächlich da waren. Meine Erwartung von Steve war definitiv eine andere: Man sieht diesen Herren in japanischer Kleidung und Crocs, mit schütterem Haupthaar und einem dünnen Pferdeschwanz am Hinterkopf, der sich ein wenig nuschelnd in Berliner Manier mit “Hallo… ich bin der Steve… und ich mach so Kram mit Seil…“ vorstellt. (Nicht ganz O-Ton aber nah dran) Nichts hoch-erhabenes, mehr der gemütliche, ältere Nachbarsherr mit seltsamen Vorlieben. Er fesselt ruhig, nach japanischem Stil an der Seite, mit knallroten Fingernägeln und der Raum schweigt. Steve hatte ein eigenes Bunny mitgebracht, dass er gefesselt und gebissen hat, was ganz nett anzuschauen war. Doch der persönliche Fokus wanderte zwischen den verschiedenen Riggern im Raum hin und her, von denen die verschiedensten Fesselstile verwendet wurden. Als Anfänger und vermutlich mit jüngste in diesem Raum war der Vergleich schwierig. Und ich fühlte mich unfähig. So viel Schönheit und Seil und Kunst… und dann bin da nur ich. War schwer für mich. Wirklich. Tara saß mir zu Füßen auf dem Boden, was mich erstaunlich beruhigte, weil es ein Statement ihrerseits war. Sie war mit mir da. Und das zeigte sie. Irgendwann war Steve fertig und langsam kam wieder mehr Leben in alle umsitzenden. Es fanden sich neue Grüppchen rundum, ein Paar aus Berlin neben uns fesselte auch am Hängepunkt und war tief versunken. Alles schön. Besonders der große KnotenKnuddel mit zwei Menschen und ner Menge Seil, die beiden Damen, die einen Mann gemeinsam quälten mit Seil und zwei weitere Ladys, die mir und Tara vom Miteinander her recht ähnlich waren.

Nun zum Punkt wo ich mit Tara am Buffet stehe und merke, dass sie sich nicht entspannen kann. Ich fragte sie, aus dem Impuls, ob sie fesseln will. Sie meinte, dass sie es nicht weiß und ich erkläre ihr, dass ich es ihr Wünsche, dass sie sich ein wenig entspannen kann. Sie stimmte zu. Cut zu mir: Ich bin schüchtern. Heftig. Grade vor neuen Leuten, neuen Locations, Menschen, die besser sind als ich und dabei zusehen. Und das war alles da. Es wurde fotografiert, eine Live-Malerin war da…

Kurzum: ich war eigentlich ein nervöses Wrack. Vielleicht mit guter Fassade, aber naja. Innerlich eben eher Alarmstufe dunkles gelbrot. WARUMZUM..HASTDUIHRDASGRADEANGEBOTEN? Aber ich habs gemacht. Und sogar gern, sehr gern.

Cut zum Geschehen: Tara auf der Decke, ihre Seile, wir am Rand so gut es geht. Um uns Profis aller Art. Taras Augen verbinden, für unser beider Nervosität, ihr O-Ring an meiner Kette (<3 Detail) Seil öffnen, ordnen, Mitte finden, Taras Hände über Kreuz vor ihrem Brustkorb legen und die erste Windung um die Handgelenke legen. Dann war da Ruhe. Meine Hände können die Basics inzwischen und für den Moment zählte nur Tara, das Seil und ihre Reaktionen. Sie war mein Fokuspunkt, niemand anderes. Es hilft. Die erste Windung um den Oberkörper und das leise Schmerzstöhnen, als ich das Seil um sie festziehe. Es erdete mich, wenn man das so nennen kann. Sie ist mir vertraut und ich liebe es, ihr Reaktionen zu entlocken, sie manchmal leise auf mich fluchen zu hören und mit ihr drüber zu lachen. Ich habe noch ihre Beine einzeln verschnürt, dass die Seile eng lagen, das Seilende je an die Oberkörper-Fessel gebunden und konnte sie mit dem Rücken an mich gelehnt an den Seilen quälen. Sie hat meine Nägel gespürt, ein paar Bisse am Hals und unsere Nagelrollen. Und da nur ihre Reaktionen für mich zählten, trieb ich sie ein wenig weiter Richtung Grenze. Aber erreicht hab ich sie nicht. Muss ich auch nicht. Zwischendurch habe ich mich einmal umgesehen. Alle waren auf die zugegeben fancy Suspensions fixiert oder auf die Knoten der Profis. Alles gut für mich. Die Angst legte sich noch etwas Mehr und ich genoss Taras Nähe, ihr Lachen, wenn ich ihr Schmerzen über einen Punkt hinaus zufüge und ihr leises “Ich hasse dich“‘ Zeitlassen beim Ausfesseln, fangen, sie Ankommen lassen und leise mit ihr albern sein. Aftercare ist unfassbar wichtig, damit ein Subdrop nicht zu tief wird. Den Rest des Abends haben wir zugeschaut, bevor wir uns dann nach 0 Uhr in Richtung Bett bewegten. Ich entschuldige mich für die Länge, aber danke Tara, dass ihr Exibitionismus wohl ein wenig auf mich abfärbt <3″

Ich war auch nervös, schrecklich, und war sehr froh, als wir nach der Ankunft erstmal einen Stuhl eroberten und uns an dieser Stelle im Raum einrichteten. Getränk in der Hand, sitzen, erstmal ankommen. Wir kannten einige Gesichter aus dem Shibari-Club, konnten da ein wenig begrüßen und plaudern, ansonsten waren da viele fremde Menschen, die sich kannten und von denen einige in der Szene vermutlich ziemlich große Nummern waren… ok. Und dann stand er da, der Steve, begrüßte unseren Gesprächspartner mit einer Umarmung und wir zogen uns erstmal sprachlos zurück. Hui.

Das eigentliche Event wurde durch eine Rede der Literaturfee eröffnet, emotional, ehrlich, extrem sympathisch. Das wichtigste Thema war nicht der Gast, sondern ihre Erkrankung, ihr Lebensweg seitdem, Chancen und Kreativität zu nutzen, wenn sie einen treffen, und ja, dann auch der Gast. Dieser meldete sich kurz zu Wort, leise und unaufgeregt, erklärte, dass er keine großen Shows mehr mache, uns also kein großes Schauspiel in der Mitte des Raums bieten wird. So fesselte er dann auch am Rand des Kreises mit seinem Bunny, und war doch der Mittelpunkt in diesem Moment. Dabei gab es noch viel mehr zu sehen. Mehrere Gruppen fesselten gleichzeitig, intensives Floorwork, Gänsehaut, egal in welche Richtung man blickte. Als diese verschiedenen Gruppen ihre Werke beendeten, nutzten wir den Moment für das Buffet, das WC und ich floh an die frische Luft, um mir endlich die Nase zu putzen. (Herrgott, Schnupfen macht keinen Spaß in so leiser Atmosphäre. Nacher schnieft man im falschen Moment.) So zog ich mich einen Moment zurück, guckte mir vor der Tür die Rauchergrüppchen an und stellte fest, dass ich noch immer angespannt war, noch immer nicht angekommen. Keine Ahnung, wieso. Ich hatte nicht vorgehabt, irgendwen irgendwie zu beeindrucken, musste nichts leisten, und kam mir doch so klein vor neben all den anderen, erfahrenen Menschen um mich herum.

Und dann kam Twin mit dieser Frage und ich raffte in dem Moment garnicht, was ihr das abverlangte. Sagte aber dennoch erstmal nein, weil rumkränkeln, verunsichert und überhaupt… „Ich möchte, dass du dich entspannen kannst.“ Verdammt, ja, das würde ich gerne. Ok, dann machen wir das.

Wir fesselten in diesem Kreis aus vielen Menschen. Da waren sehr viele Augen und alle hingen an den Großen, die in der Mitte ihr Können zeigten. Perfekt. Noch bevor wir wirklich begannen lachte Twin mich an und sprach die Worte aus dem Titel dieses Beitrags: „Ich hab schon wieder Lust, dich zu schlagen, das ist doch nicht normal!!“ Doch wir blieben bei Seilen, Fingernägeln, Zähnen und den Pieksrollern. Ich konnte abtauchen, in kürzester Zeit war ich in unserem Raum, genoss die Seile an den Beinen, genoss das in die breitbeinige Pose gezwungen werden, das Kratzen, ihr Beißen, einfach alles. Bei ihren Krallen auf meinem Rücken musste ich leider irgendwann unterbrechen, das war einfach zu viel für diesen Moment. So krallte sie sich eben in die Innenseite meiner Oberschenkel, bis ich nur noch lachte vor Schmerz, und sie lachte mit mir gemeinsam. Das war ein wunderschöner Moment <3 (Ich würde uns wirklich gerne mal dabei zusehen, ich glaube das ist sehr strange =D) Sie fing mich auf, wir tüddelten die Seile zusammen und guckten uns wieder um.

Und dann war ich da. War angekommen. Ich konnte mich entspannt zurücklehnen, und die Runde beobachten. Sah Mann und Frau, die interessiert in die Manege sahen, dabei trug sie wenige Seilschlingen um den Oberkörper, war dennoch eingebunden, sie küssten sich innig. Die beiden Frauen, eine in den Seilen, die andere damit beschäftigt, sie zu triezen, zwischendurch lachten sie so herzlich wie wir. Und dann Nawasabi, die, wie auch damals auf der GEP Koi Ku Nawa, zeigten, wie unglaublich beeindruckend und ästhetisch man mit dem Seil foltern kann bzw. welche Schmerzen man in diesen Situationen ertragen kann.

Ich sitze in solchen Momenten sprachlos da und beobachte die Bunnies, ihre Reaktionen, das Zittern des Körpers, höre ihr Atmen und Stöhnen. Nehme sehr genau die Nähe zwischen den beiden Personen wahr, diese leisen „Ist alles ok?“-Momente und das schmerzverzerrte Nicken. Spüre, wie das etwas in mir berührt. Und auch wenn ich da niemals so hängen möchte, bitte niemals meine momentan 125 kg an einem Arm und einem Bein halten können möchte, so sehe ich da etwas vertrautes in diesen Gesichtern und werde neugierig auf all die Momente in den Seilen, die da noch kommen. Auf die Hände, die mich noch fesseln. Auf die Schmerzen, die sie mir schenken. Und das gemeinsame Lächeln danach.

Wir übernachteten in Köln bei einem Freund von Twin und krochen am nächsten Morgen nach Hause, um dort nochmal ins Bett zu fallen. Der Abend war lang und anstrengend, aber er hat sich gelohnt! Ich bin so stolz auf meine Riggerin, bin froh, dass ich sie erden kann in so einem Moment, bin so dankbar, dass sie mich fesselt <3 Mir ist egal, wie toll die anderen sind und wie perfekt ihre Seile sitzen mögen (oder eben auch nicht, wie man manchmal gesehen hat), das wichtige für mich ist, dass das Wir funktioniert, wir uns gegenseitig glücklich machen. Das haben wir an dem Abend geschafft, denke ich <3

8 Gedanken zu „„Ich hab schon wieder Lust, dich zu schlagen“ – Ein Fessel-Abend mit den VIPs (incl. Twin)“

  1. So wunderschön geschrieben und genau so wie es sein sollte. Wenn man das macht, was sein gegenüber und einem selber glücklich macht, kommt es überhaupt nicht darauf an, ob alles technisch perfekt ist. Auch die ‚Profis‘ werden merken, dass es bei Euch beiden gefühlsmässig absolut Perfekt ist. Und das macht es aus meiner Sicht aus 💋

  2. Tatsächlich: Wahre Profis dürften genau das sehen: Die Verbundenheit. Und ich kann Dir sagen, dass ich als Leser noch viel mehr Anfänger bin als Du es an diesem Abend gefühlt hast. Aber ich weiss zumindest um die wunderbare Wirkung festigender Seile… Und mich berührt sehr, was ich zwischen Dir und Twin spüre – und welch Botschaft in ihrem Vorschlag lag, in die Fesselung zu gehen. Eure Verbindung ist sehr schön, und DAS zählt vor allem andern. Aber ihr wisst das ja selber und lebt es auch. Wunderbar.

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