Zurück in der Tiefe – Fesseln mit Twin und Andy

Letzten Montag war das erste Treffen des Shibari-Clubs dieses Jahr, an dem ich teilnehmen konnte. Wie Twin schon unterwegs zur Location feststellte, es war ein wenig wie nach Hause kommen. Wir sind da so oft, haben mittlerweile gute Freunde und Herzmenschen gefunden, und wir vermissen dieses Umfeld, wenn wir es einige Zeit nicht erleben können. Es hat gefehlt <3

Twin und ich besuchen im Februar einen Workshop und darauf wollten wir uns vorbereiten. Uns fehlten noch ein paar Basics und die wollten wir nachholen. Wie wir mittlerweile wissen, waren es nicht die richtigen Basics (das lässt sich aber noch nachholen), dennoch hatten wir viel Spaß. Neben mir eine sehr nette junge Dame als Vorführbunny, hinter uns ihr Rigger und Twin. Das war ein lockerer Einstieg in diesen Abend, wir haben viel gelacht =)

Danach tüddelte Twin mit einem männlichen Bunny, mit dem sie häufiger fesselt und ich guckte erst ein wenig zu, klopfte dann mal bei Andy an, der zu diesem Zeitpunkt in der Gesprächsrunde im Vorraum saß. Das letzte gemeinsame Fesseln war schon etwas länger her und ich war nervös. Und dann hatten wir auch noch Zuschauer. Ok. Kriegen wir hin. Wir saßen auf den Matten, er rutschte näher. Legte meinen Kopf auf seine Schulter, zog mir die Augenbinde über den Kopf, verwuschelte dabei meine Haare, wir lachten. Und ich war weg.

Ich ließ mich treiben. Ich spürte seine Hände und die Seile, hörte die Musik, die leisen Stimmen im Raum, manchmal ein Flüstern, aber ich war in meinem Tunnel und ließ mich da auch nicht stören. Es war einfach perfekt, tief, still. Also zunächst. Bis der Kampf begann, das Zähne zusammenbeißen, das innere Knirschen. Ich trage zum Fesseln einen Body und darunter eine Hose. Schon der Body hatte mich anfangs Überwindung gekostet (auch wenn ich ihn mittlerweile liebe) (Twin würde jetzt an dieser Stelle den Baywatch-Soundtrack starten), aber mir war durchaus klar, in welche „Gefahr“ ich mich bei Andy begebe. Er entblößte einen Teil meines Bauches. Knirsch. Setzte mich auf seinen Schoß. Knirsch. Umarmte mich, fest, sehr fest, presste gefühlt Luft und Leben aus mir. Knirsch. Und das ganze zu Rammstein. Knirsch. Ja, gut, letzteres war nicht sein Werk. Aber jedes Knirschen, jedes innere Aufbegehren ließ mich ebenso innerlich jubilieren. Wir fesselten nicht nur endlich wieder, wir gingen weiter. Tiefer, näher an der Knirschen, näher an die Widerstände, tiefer hinein in den Schmerz.

Mein Kopf lieferte dabei ein Feuerwerk an Gedanken und Bildern, manche blieben sehr deutlich hängen. Die Szene aus Secretary, in der Lee Mr. Grey fragt, warum sie das nicht jeden Tag machen können. Die Frage, welches Gefühl überwiegen würde, wenn er mich einfach gefesselt und entblößt liegen lassen würde, die Erregung, die Scham oder die Wut? Die Neugier, das eines Tages zu erkunden. Aber auch das Bedürfnis, Wärme zu spüren, der Genuss, der in diesen kurzen Momenten ohne Seilführung liegt, wenn seine Hände auf mir ruhen und nichts weiter tun als einfach nur da zu sein. Die Tatsache, dass ich den Schmerz, ausgelöst durch Seile, mehr liebe als jeden anderen. Er ist still und leise und doch so heftig. Stilvoll. Elegant. Und die Gewissheit, dass ich diese Gefühle selber schenken möchte, diese Wehrlosigkeit, die Ruhe, den Schmerz. Dass ich selber die Seile legen möchte.

Ich brauchte lange, um aus dieser Fesselung wieder aufzutauchen, das ging sehr tief unter die Haut, fühlte sich so unfassbar gut an und tat wunderbar weh <3 Das Schreiben dieses Beitrags holt das gerade alles wieder hoch und ich fühle mich ein wenig wie auf Entzug, wenn ich ehrlich bin. Irgendwo in mir maunzt eine Katze und möchte mehr. Momentan maunzt sie leise, zum Glück. Aber ich kann sie hören.

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