Über Shibari und D/s

Da ist er wieder, der alte Wunsch:

Ich möchte leiden für Dich.

Es ging lange um mich, um meinen Fokus. Den Blick nach innen gerichtet. Leiden für Mich.

Da ist kein Herr, der stolz auf mich ist, für den ich Dinge auf mich nehme und ertrage. Wenn ich kämpfe und die Zähne zusammenbeiße, wenn ich aushalte und die Grenzen ertaste, dann tue ich das in erster Linie für mich. Gegen mich. Mit mir. Mal aus Lust, mal aus einem Bedürfnis heraus, aber immer mindestens für mich wie für den Spielpartner.

So wäge ich ab, was ich tue und was nicht, was ich zulasse und was ich ablehne. Finde ich auch für mich Vergnügen daran? Oder fühle ich mich zu unwohl? Beim Spielen mit NHD und Twin würde ich mich nicht in Situationen begeben, die mir gar nicht gefallen. Ich melde mich, wenn mir etwas nicht passt, entziehe mich einer Szene, wenn es mir zu viel wird. In einer D/s-Verbindung wäre das etwas ganz anderes. Ich würde mich ohne ein Zögern unterordnen und gehorchen. Die Hürde, ein „Stop“ zu setzen, wäre viel höher. Ich würde über die Grenze des eigenen „Ich möchte das für mich“ hinaus in den Bereich des „Ich ertrage das für Dich“ gehen, so weit, wie ich könnte.

Und dieses Gefühl finde ich jetzt in den Seilen wieder.

Wenn ich mich fesseln lasse, geschieht das mit meinem Einverständnis, natürlich. Aber ab dem Moment, in dem der Rigger sein Werk beginnt, lasse ich Dinge geschehen. Ich frage nicht*, was er oder sie vor hat, ich lasse los und begebe mich in diese Hände. Ich ordne mich unter und gehorche. Oder anders gesagt: ich vertraue, vollkommen.

Mein Ziel ist in dem Moment nicht mein Vergnügen, sondern dass der Mensch am Seil mit mir und an mir Freude findet. Dass er das Leiden, das Kämpfen, das sich Winden genießen kann, dass meine Reaktion auf sein Tun ihm Vergnügen bereiten. Dass ich ihn glücklich mache.

Dabei gibt es natürlich auch Grenzen, die man durchaus vorher absteckt. Mit oder ohne Kleidung, wie ist es mit Atemreduktion, Seilen am Hals, Kitzeln, Zwicken, Hauen, Sex? Es gibt harte und weiche Grenzen, Entwicklungen und Möglichkeiten. Aber zumindest für mich steht das Mindset dahinter: „Ich bin Dein. Tu, was Du tun möchtest und was Dich glücklich macht, dafür bin ich da.“ Ich kenne dieses Mindset und ich fühle mich darin sehr, sehr wohl.

Es gab da Bilder in meinem Kopfkino, die klar D/s-Elemente in das Thema Shibari eingeflochten hatten. Das hat mich sehr verwundert, da tauchten Bedürfnisse auf, die mich schlicht verwirrten, weil ich sie erstmal als unpassend wahrnahm. Jetzt ergeben diese Bilder für mich einen Sinn =)

*Ausnahme: Wenn ich mich nicht fit fühle, ich Schmerzen habe oder andere Probleme, weise ich natürlich darauf hin, dass bestimmte Dinge gerade nicht gehen.

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