Der verdammte Wandel

Über die Jobsuche, BDSM, Strohfeuer und Leidenschaften.

Ich bin momentan auf Jobsuche. Dafür blättere ich mich durch Seiten und Listen von Betrieben, die in meiner Branche irgendwie tätig sind und stelle mal wieder fest, wie vielfältig die Ecke ist. Und mit wie vielen Dingen ich doch schon im Studium in Kontakt gekommen bin.

In meinem Lebenslauf stehen drei Themen unter „Persönliche Schwerpunkte“, aber so wirklich aktuell ist davon nur einer. Für die anderen beiden Punkte brannte ich auch mal voller Begeisterung, aber das ist länger her. Ich gehe allerdings davon aus, dass meine Begeisterung dafür durchaus wieder entflammen wird, wenn ich mit diesen Themen konfrontiert werde.

Diese aufflammende und abkühlende Begeisterung war ein großes Thema für mich im letzten Jahr, nicht nur im Studium. Dieses Muster von akuter Leidenschaft für ein Thema und rapider Abkühlung bei einem gewissen Abstand dazu, verfolgt mich schon immer. Das gilt für Hobbys, das gilt für Beziehungen, das gilt für sehr vieles.

Fernbeziehungen liegen mir zum Beispiel nicht. Das wurde mir in meiner kurzen Beziehung zu meinem Hasen sehr klar. Um eine Beziehung, egal welcher Art, am Laufen zu halten brauche ich Nähe, brauche Stimulation, brauche auch die regelmäßige persönliche Auseinandersetzung und eine gemeinsame Entwicklung mit dem Partner. Das funktioniert für mich nicht übers Wochenende, ich brauche das im Alltag. Fehlt diese häufige, persönliche Auseinandersetzung verschwindet die Verliebtheit wieder und hat keine Chance sich zu etwas stärkerem zu entwickeln. Festbetonierte Freundschaften, die sich auf eine jahrelange gemeinsame Geschichte begründen, können monatelanges Stillstehen aushalten. Aber noch frische Beziehungen, auch Freundschaften, scheitern daran bei mir nach wenigen Wochen.

Und so geht es mir auch mit noch neuen Leidenschaften. Die Entwicklung zu einer aktiven FemDom. Selber Fesseln lernen. Mich aktiv in die Szene einbringen. Oh, well, it’s gone. Da ist kein guter Nährboden für sowas, wenn Corona einem ein Jahr lang jeden persönlichen Face-to-Face-Kontakt in diese Szene verbietet. Und es sind diese Partys, es ist der Rausch, der meine Motivation füttert, mich weiter und weiter in dieser Szene zu bewegen. Aber der fehlt. Keine Auseinandersetzung, keine Stimulation, kein akutes Interesse an diesen Themen. Ich werde einen Teil davon wieder wecken können, da stehen noch immer Workshops auf dem Plan und Schubladen voller „Will ich mal ausprobieren!“, das gilt aber zum Beispiel nicht fürs selber Fesseln =( Der Flow ist einfach weg.

Das frustriert. Natürlich. Aber es bleibt ja nicht dabei. Manche einstigen Strohfeuer sind so große Brände, die überstehen auch Corona. Ich bin seit meiner Kindheit Masochistin und werde immer Masochistin sein. Ich bin seit ein paar Jahren Bunny und werde ziemlich sicher noch lange Bunny sein. Ich liebe seit einigen Jahren Nadeln und Klingen und diese Liebe wird andauern. Wenn ein Thema ein Herzensthema ist, wird es wieder auftauchen. Und wenn nicht… Ich habe Erfahrungen gesammelt, habe gelernt, werde vielleicht einzelne Aspekte rauspicken und sonst gucken, was da neues kommt. Und es kommt immer neues.

Ich habe lange mit mir gekämpft, habe mir diesen Verlust an Interesse an Themen immer als Schwäche ausgelegt. Es wirkt auch erstmal negativ. Menschen, die man verletzt hat, weil die Gefühle zwar mal sehr hell brannten, aber nicht lange anhielten. Schubladen voll ehemaliger Hobbys, die aber in den bestimmten Momenten unheimlich wichtig waren.

Aber mittlerweile betrachte ich diese Erfahrungen als Schatz. Ich probiere. Ich bleibe an manchem hängen. Ich sortiere aus. Ich lerne. Ich werde in dem, was ich weiß und kann sicherer. Manchmal öffne ich eine Schublade und greife in mir gut bekannte Stoffe. Und stelle dann fest: ich habe noch genug Platz für Neues, das mein Interesse weckt und einen Platz in meiner Sammlung von Themen finden wird. Wie groß der benötigte Platz sein wird, wird sich zeigen. Aber es geht immer weiter. Auch während Corona und erst recht danach.

(Die aktuellen Themen sind übrigens schöne Silikon-Sextoys, endlich wieder Bunny sein und die Beziehung zu meiner Partnerin. Neues, altes und schönes ❤️ Und wenn das schöne Silikon-Sextoy da ist, schreib ich auch was dazu =D)

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