Website-Icon Taras Ropes

Danke.

Es war dieses kleine Wörtchen “Danke” mit dem es begann. Als gut erzogenes s in unserem D/s-Konstrukt gehörte es für mich zum guten Ton mich zu bedanken. Du hattest mich nie darum gebeten, wundertest dich vermutlich eher über meine Reaktion, über diese Reste aus einer anderen Zeit in meinem BDSM-Leben. Da sprach die Sub, dankbar für die Zuwendung der Herrschaft, sei diese zärtlich oder schmerzhaft. Diese Sub hatte nur keine Ahnung, welche Türen das öffnen sollte.

Zwischen uns etablierte sich eine kleine, ganz spezielle Dynamik: du befahlst mir, den Mund zu öffnen, spucktest dann in meinen Mund, ich schluckte unseren gemeinsamen Speichel herunter und bedankte mich dafür, artig wie ich war. Und dieses “Danke” machte etwas mit dir, schon beim ersten Mal, da war ein Schauer der Erregung, ein kurzes Vibrieren, ein Aufleuchten in deinen Augen. So wurde nach einiger Zeit der Höhepunkt dieser Geste nicht das Spucken, nicht das Schlucken, sondern dieses “Danke”.

War ich zu Beginn immer (ganz bestimmt) brav und ernst, wurde ich mit der Zeit… frecher, spielte ein wenig mit diesem Dank, mit deiner Reaktion darauf. Ich ließ dich ein bisschen auf meine Antwort warten, baute eine kleine Kunstpause ein. Und fand meinen Spaß daran. Du warst der dominant-sadistische Teil in dieser Dynamik, mir in den Mund zu spucken war eher eine erniedrigende Geste, aber ich spielte als Reaktion darauf mit deiner Lust. Das war für mich ein erstmal nicht alltäglicher Spin, aber sehr schön. Auf der einen Seite betonte dieser kurze Ausbruch aus der eigentlichen Dynamik dein D umso stärker, war mir doch klar, das ein Aufbegehren sinnlos ist, wo man eigentlich so ganz tief unten in sich doch gar nicht aufbegehren möchte, vielleicht sogar eher ein bisschen… provozieren…? Auf der anderen Seite weckte das etwas in mir, das ich bisher gut verstaut hatte. Dieses Hinauszögern, mein Gegenüber auf das, was es eigentlich möchte, warten lassen, dieses Teasen ist ein Thema, dass ich auch als Aktive mochte. Ich erinnerte mich an meinen ersten Abend mit dem Hasen damals, auch da hatten wir uns trotz eigentlich klarem Machtgefälle sehr, sehr, SEHR intensiv geteast, bis wir beide vor Lust vibrierten, obwohl wir genau wussten, dass es beim Haben Wollen bleiben würde. Switchen dagegen war etwas, was ich mir ausgerechnet zwischen uns, dir und mir, nicht vorstellen konnte, ich hatte es bereits zu Beginn unserer Beziehung ausgeschlossen. Und du auch.

Aber… da war was. Dieser Schauer, die Macht über diesen Moment, diese Reaktion. Oh ja, da war was.

Und an einem entspannten Samstag morgen, spontan, ohne Planung dahinter, und ja, auch ohne große Absprache, bat ich dich um die Möglichkeit, etwas ausprobieren zu dürfen, und hoffte inständig, dass mein Flow dich erreichen würde. Er tat es. Ich tat dir weh. Ich wurde fies. Ich ließ dich zappeln. Und schlussendlich versagte ich dir die Erlösung: Ich sagte Nein. Und genoss so sehr diesen Blick, das Flackern in deinen Augen, das noch stärker wurde, nachdem ich anfing zu lachen, dunkel, böse, ja, fies. Hello, world!

Dieser Moment, in dem in mir der Schalter kippte, in dem ich spüren konnte, wie mein Blick sich änderte, war… berauschend? Absolut. Beängstigend? Oh yes. Es ist schwierig zu beschreiben, was da in mir passierte. Ich wurde kälter. Das Licht in mir weißer, steriler. Ich beobachtete dich aufmerksam, jedes Zucken, jede Reaktion auf meine Aktion. Ich wollte dir weh tun, die schmerzhaften Knöpfe drücken, aber nicht zu weit gehen, dich nicht verletzen. Ich wollte dich leiden sehen, aber einvernehmlich, deine und meine Grenzen ankratzen, aber dennoch einhalten. Ich hatte Angst, war unsicher dir gegenüber, aber auch mir gegenüber, und es war dann dieses gemeine, böse Lachen, das aus mir heraus brach und mir so den Weg zu meinen eigenen Emotionen öffnete. Ich lache beim Spielen als Passive in den wirklich guten Momenten, es ist meine Reaktion auf ein High. Dieses Lachen war ähnlich, nur anders eingefärbt. Ich sah, dass es dir gut ging hinter dem Schmerz, dem Schrecken über diese andere Seite von mir. Und ich hatte so eine Freude daran genau das zu sehen.

Das war ein wirklich schöner Morgen, der anders verlief als gedacht. Unsere Beziehung wurde ab diesem Punkt nur vielfältiger, facettenreicher, der gemeinsame Spielplatz bunter und größer. Und es amüsiert mich bis heute, dass das alles mit dieser submissiven, artigen Geste begann. Danke.

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