Mein Verhältnis zum Thema Orgasmus war lange schwierig. Ich meine, ich hatte generell das Gefühl nie genug zu sein, das blieb auch auf dieser Ebene nicht aus. In meinem Umfeld gibt es wundervolle Menschen, die auf unterschiedliche Arten zu Höhepunkten kommen, sei es schon durch reinen PiV-Sex, durch Schmerzen oder auch sehr, sehr oft hintereinander. Und ich neidete das diesen Menschen in meinem Umfeld, bei denen der Körper so funktionierte. Manchmal tue ich das heute noch.
Ich komme (in meiner Wahrnehmung) insgesamt nicht so einfach, zumindest nicht, wenn andere Menschen im Spiel sind. Wenn es um mich alleine geht bin ich Pro-Gamerin, ich machs mir in drei Minuten. Für mich ist das aber in den meisten Fällen auch eher ein körperliches Bedürfnis, mein Körper möchte da etwas und lässt mich dann nicht in Ruhe, bis das erledigt ist. Ich habe da durchaus Vergnügen dran, es ist nur nichts, was ich groß zelebriere.
Mit anderen Menschen… ja. Geht. Aber mal davon abgesehen, dass man wirklich den richtigen Punkt ausreichend lange anstuppsen muss… gibt es da eine Sache, ohne die ich nicht komme. Es geht um ein Detail in der Körperhaltung, ich nehme mal an, irgendwelche Muskeln müssen eben da liegen, wo sie dann liegen, oder irgendwelche Nerven müssen so funken, wie sie dann eben funken, aber ohne geht es nicht (zumindest habe ich es noch nicht geschafft). Was aber dennoch geht ist mich bis zu diesem Punkt kurz davor zu bringen, diese eine Körperhaltung zu verhindern und sich dann einfach sehr viel Zeit zu lassen.
Ich fand diese… Einschränkung anfangs schwierig. Ich komme in manchen Positionen einfach nicht, der Körper sagt schlicht “nein”. Und dazu dann noch das Gefühl, sowieso kompliziert zu sein… es gab Momente, in denen ich mich unzulänglich fühlte, ich konnte nicht liefern, was sich mein sich doch wirklich Mühe gebendes Gegenüber erhoffte, konnte diesen Wunsch nicht erfüllen. Und ich erfülle so gerne Wünsche 🥺
Es waren nicht diese Gegenüber, die mir das Gefühl gaben irgendwie zu versagen, nie, das saß nur tief in meinem Kopf. Also mied ich das ganze Thema. Mein Höhepunkt ist nicht wichtig, kümmern wir uns um den der anderen Person. Bis ein, zwei Menschen anderer Meinung waren und mich eines besseren belehrten.
Jetzt sind wir nochmal ein paar Jahre weiter und ich möchte dieses Thema nicht mehr meiden, im Gegenteil: ich möchte es auf meine Art zelebrieren. Und diese eine “Einschränkung” schamlos ausnutzen.
Oh, ich liebe das ❤️
Also am Tag danach hasse ich es, wenn mir der halbe Körper weh tut, weil jemand meinte, er müsse mich mal über eine Stunde edgen. Aber in der Situation genieße ich das sehr.
Wie sich diese Energie in mir aufbaut und einfach weiterglüht, hell und heiß.
Wie sich mein Kopf langsam verabschiedet und ich entspannen kann.
Wie mein Körper sich dafür anspannt, weiter will, weiter, aber nicht kann.
Wie er dann zittert und die Muskeln beginnen zu schmerzen.
Wie die Schauer über und durch den Körper jagen.
Wie ich mehr und mehr loslassen, die Kontrolle abgeben kann.
Wie sich die Atmung verändert und mit ihr die Geräuschkulisse: Dieses Seufzen, Stöhnen und Wimmern, manchmal ein Knurren, relativ häufig vermutlich ein Fiepen, auch mal ein Lachen, und hin und wieder auch ein Betteln . Alles Spiegelungen der unterschiedlichen Gefühle, die bei solch einem Ritt hoch kochen können: Lust, Freude, sehr, sehr viel Erregung, Spaß, aber auch Anspannung, ein Hauch Verzweiflung, und manchmal das Bedürfnis mit meinem eh schon knappem Atem über ein Ende der Tortur zu verhandeln.
Wenn sich dann noch jemand an diesem Leiden ergötzt, ein bisschen gemein lacht, während ich aushalte und kämpfe, kickt das ganze noch ein bisschen mehr.
Ob ich dann komme ist nochmal ein anderer Punkt. Natürlich ist die Erlösung am Ende dieser Anstrengung etwas sehr schönes, aber die Automasochistin in mir hatte auch schon sehr viel Spaß daran, wenn bei einem Spiel alleine der Akku des Vibrators kurz vor dem Höhepunkt aufgab. Oh, schade. Dann bleibt dieses Kribbeln eben noch ein bisschen. Vielleicht morgen.
Und auch wenn der Neid noch manchmal ziept, ich habe insgesamt meinen Frieden mit mir gemacht. Ich habe einen Weg gefunden, mit meinem Körper, diesen seltsamen Schaltkreisen, umzugehen, und mit meinem vermeintlichen Handicap sehr, sehr viel Spaß zu haben. Und das ist einfach ziemlich geil =D
