Geruhsame Feiertage

Samstag

Wir hatten uns für letzten Samstag eine Party rausgesucht, ein Abend in unserem zweiten Wohnzimmer. Ein paar Stunden davor stand dieser Abend noch auf der Kippe.

Ich war unsicher. Ich kämpfe in den letzten Monaten vermehrt mit Stimmungsschwankungen in Kombination mit einer emotionalen Kälte. Keine Ahnung woran es genau liegt, Stress, Medikamente, vermutlich an einer Kombination unterschiedlicher Dinge. Aber im Ergebnis habe ich in manchen Phasen sehr wenig Kontakt zu meinen Gefühlen, bin dann noch gutschlechtsupergarnichtgut drauf, und das macht mich in meinen Augen zu einer sehr schlechten Partnerin für meine Menschen. Und dieses Gefühl, dieser Berg an Schuldgefühl, baute sich in der letzten Woche sehr stark auf. Samstag nachmittag stand er dann da. Sehr groß und überwältigend. Ich weinte, wurde getröstet und aufgefangen, und wollte trotz dieses Moments abends weggehen. Oder vielleicht gerade deswegen. Ich wollte in unseren Club, das kinky Zuhause. Und ich wollte mit Twin spielen. Ich habe keine Ahnung, wann wir das letzte Mal gespielt haben, und ich hatte mir das beim letzten Picknick vorgenommen, ich wollte diesen Abend dafür nutzen.
Und yes, wir fanden eine Gelegenheit, ausreichend Platz, Ruhe, Motivation und Kaffee. Es begann eher spaßbetont. Mahr stand hinter mir, hielt mich fest. Twin piesackte mich, ich habe noch vor Augen, wie sie vor mir stand, ein Teil meiner rechten Brust zwischen ihren Zähnen, und dabei möglichst unschuldig guckte. Brrrbrbr? Aua. Dazu die sehr stramm sitzenden Seile an meinen Unterschenkeln. Doppelaua. Was wir in der Spieltasche auch fanden war einer der Scale-Flogger. Nice. Genau das was ich wollte, noch mehr Aua! Wir verzichteten aufs Aufwärmen und es wurde sehr schnell sehr heftig. Der Flogger kann schön kratzen, wenn man mit den Spitzen spielt, aber Twin wählte in meiner Wahrnehmung vor allem die wuchtige Variante, und die Scales schlugen wieder und wieder auf meinem Rücken auf. Für diesen Moment, diesen Tag, war das genau das richtige, dieser tiefe und dumpfe Schmerz. Das tat wirklich ziemlich weh, die immer verspannten Muskeln waren wenig begeistert. Es ging nicht um Spaß, wir waren eher im… therapeutischen Bereich. Es ging eher um das Aufbrechen einer Schale, um einen Zugang zu dem darunter zu finden. Auch wenn wir das nicht so weit trieben wie früher schon in ähnlichen Momenten, es wirkte. Die Anspannung in mir löste sich etwas. Auch die Sterillium-Wolke, die sich nach den Schlägen in meinen teilweise aufgekratzten und blutigen Rücken fraß, trug dazu bei. Der Schmerz drückte die richtigen Knöpfe und ich musste Lachen. Das passiert bei mir in intensiven Spiel-Situationen, und es ist jedes mal so befreiend. Es tat so gut nach dieser Woche! Und mir hatte unsere Intimität sehr gefehlt <3

Montag

Ich hatte ein Spiel-Date!
OMG!
Früher war mehr Date, ich fühlte mich etwas aus der Übung. Es wurde aber dennoch ein sehr schöner Nachmittag und früher Abend auf mehreren Ebenen (also abgesehen von der logistischen, 3,5 Stunden Heimfahrt statt 1,5 Stunden, liebe Deutsche Bahn.).
Wenn ich die zwischenmenschlichen Emotionen betrachte, war da vorher ein bunter Strauß an allem. Spielen ist einfach sehr intim, sehr nah, da baut sich bei mir schnell eine Verliebtheit auf, und damit kommen dann auch die ganzen Unsicherheiten und Ängste, die sich zum Beispiel durch Neid oder Eifersucht zeigen. Unangenehm. Aber ich bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich das (auch schon vorher) kommunizieren kann und in den meisten Momenten auch weiß, wie ich selbst damit am Besten umgehe, wie ich mich auch vor manchem schütze. Und wenn man dann noch ein Gegenüber hat, mit dem man einfach darüber reden kann, ist das Gold wert.
Was die Spiel-Ebene angeht =D Das war sehr schön. Und lehrreich. Zwei Betttücher reichen nicht aus, wenn man auf dem Bett mit Wachs spielt. Diese BDSM-Spiel-Kerzen-Ausgieß-Dosen werden ganz schön heiß, wenn man sie schräg hält um eben Wachs auszugießen. Und manche Messer eignen sich ganz gut zum Abkratzen von Wachs auf der Haut. Und andere… nicht so.
Ich gebe zu, als vor ein paar Wochen die Frage kam, ob wir mit Wachs spielen könnten, war meine Begeisterung nicht so riesig. Ich hatte natürlich schon mit Wachs gespielt, aber so wirklich glücklich gemacht hatte es mich nicht, BDSM-Kerzen waren mir zu langweilig, dieses punktuelle Rumgetropfe, naja. Aber: ein größerer Schwupps davon auf den überstreckten Hals ist eine sehr, sehr geile Angelegenheit. Holla, war das heiß! (No pun intended.) Schmerz hat bei mir nicht so oft mit sexueller Erregung zu tun, aber das drückte die richtigen Knöpfe, sehr tief, bis heute. Und das ist super schön <3
Auch das hatte mir gefehlt, und ich genieße diese ganzen neuen und vertrauten Gefühle gerade sehr (some kind of NRE, dass ich hier sitze und schreibe dürfte auch damit zu tun haben.)

Und jetzt ist diese kurze Woche um. Sie war ziemlich ok, mit diesem so wunderschön warmen Gefühlsmix im Hintergrund. Und vor allem diesen tollen Menschen um mich herum <3 Und jetzt… ab ins Wochenende =D