Know my place

Ich möchte doch einfach nur an diesem Punkt stehen bleiben, kann das so schwer sein? Einfach nur an diesem Punkt mitten im Raum, mehr verlange ich nicht von mir. Aber es klappt nicht, ich schaffe es nicht. Wieder und wieder weiche ich dir aus. Dabei weiß ich doch, dass es nicht schlimm ist, ja, es tut weh, aber dennoch…  es ist auszuhalten. Mind over matter, Tara, stell dich jetzt bitte an deinen Platz und ertrage, worum du selbst gebeten hast.

Aber…  ich schaffe es nicht. Ich habe Angst. Schon das Fiepen des Kondensators reicht, um mir eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen. Ich will das nicht, ich will dieses Ding nicht in meiner Nähe.
Bitte nicht.
Bitte.
Nicht.
Nein.
Bitte!
Und nichts davon ist mein Safeword.

Das Spiel mit der Angst ist ein Kampf gegen mich selbst. Das ist zum Beispiel die Nadel, die ich mir selbst durch die Brustwarze oder die Wange schiebe, ich habe wirklich Angst vor diesem Schmerz, aber ich suche ihn bewusst und kontrolliert durch meine eigene Hand. Der Viehtreiber in deiner ist eine andere Hausnummer. Ich gebe die Kontrolle ab, ich bitte dich darum, sie zu übernehmen und mich in ein ängstliches, um Gnade bettelndes Stückchen Mensch zu verwandeln. Ich liebe es. Ich hasse es.

Ich möchte aushalten, aber ich weiche aus.
Versuche zu diskutieren.
Zu verhandeln.
Dich abzulenken.
Das funktioniert natürlich alles nicht. Du hörst zu, lachst und amüsierst dich über mein Gezappel, meine Unsicherheit, meine Angst. Beobachtest diese Diskrepanz in mir. Siehst mich gewinnen und verlieren zugleich. Und im Endeffekt musst du einfach nur da stehen, mich anlächeln und warten, bis ich den Kampf in mir ausgefochten habe. Bis ich bereit bin, mich an meinen Platz zu stellen und dich den Knopf drücken zu lassen. Ich habe Angst, Gott hab ich Angst davor. Aber ich will das. Ich will das! Den Kampf, die Überwindung, den Schmerz, die Erkenntnis und den Sieg. Ich will das. Bestimmt. Gleich. Nur einen Moment noch. Warte, warte, warte, lass mich kurz durchatmen! Ich hab Angst. Aber ich will das. Ich will das. Bitte mach es jetzt, bitte, bevor die Angst gewinnt. Bitte, drück auf diesen beschissenen Kno –

Du entlädst den Kondensator auf meiner Haut. Es tut weh. Ich erschrecke, obwohl ich doch wusste, was kommt. Angst und Panik kicken für einen Moment, in dem ich doch zeitgleich erlebe, dass es zwar weh tut, aber erträglich ist. Der Schreck und auch mein Aufschrei hallen noch in mir nach, während ich zitternd lachen muss, Körper und Geist zwischen Angst und Stolz pendeln. Der Oberschenkel brennt ein bisschen, wo die winzigen Blitze eingeschlagen sind. Es ist ok.

Ich bin noch da. Und ich mag Symmetrie. Leider. Gib mir nur einen kurzen Moment, ich gehe nur kurz ein, zwei Schritte zur Seite, zum Durchatmen. Ich will nur ein bisschen Abstand zu dem Ding, nur ganz kurz. Ach fuck. Ich habe Angst. Aber ich will das.