Schwierig war er, dieser kinky Urlaub. Ich meine, ich kenne es ja schon, dass solche Urlaube emotional sehr, sehr heftig sind, weil man mit so vielen Erlebnissen, Eindrücken und Erkenntnissen klarkommen muss. Oder, so erging es mir letztes Jahr, einfach in der einen Woche im Zyklus dort ist, in der man sich sehr klein und inkompetent fühlt. Dieses Jahr lag ich mehrere Tage flach und habe viel verpasst. Sagen wir einfach: es war alles ein bisschen schwierig. Umso mehr freue ich mich über die Dinge, die ich vor oder trotz meines Flachliegens erleben durfte.
Setting: ein Ort jwd*, ein großes Rudel Menschen (wenige gute Bekannte, viele bekannte Gesichter von unserem ersten Besuch im letzten Sommer, dazu ein paar spannende neue Menschen), Vollverpflegung und zehn Tage Zeit.
Ich hatte drei sehr schöne Sessions:
- Twin gab an meinen Beinen eine Lehrstunde zum Thema Futomomo und ich bin gerne das Übungsobjekt. Ein bisschen Unwohlsein ist auch dabei, einfach weil mein Körper dicker ist und auch “dann nimmt man einfach ein Seil mehr” die Stimme nicht verstummen lässt, die gerade in diesem Seil mehr einen Mehraufwand für die fesselnde Person sieht. Gleichzeitig mag ich den Prozess des Lernens, die Art, wie sich Handgriffe nach einer Erklärung oder auch nach Bestätigung ändern, wie die Spannung im Seil erst unsicher, dann sicherer wirkt, daran habe ich als Bunny wirklich Spaß ❤️ Danach fesselten wir noch für uns, intensiv und schmerzhaft. Schmerz durch Seile ist einfach etwas so wunderbares. So leise, unauffällig, erst dieser akute Schmerzimpuls, das Atmen und sich an diesen Schmerzlevel gewöhnen, bis zum nächsten Eingreifen, zum nächsten High. Danach: Ropemarks! Die leider viel zu schnell verschwinden.
- Am Tag darauf Impactplay mit Shiny. Bei unserer letzten Veranstaltung hatte ich den Kink “Spiralkabelbiner als Schlagwerkzeug (passiv)” für mich entdeckt, dieses fiese Teil zaubert vorzügliche Spuren. Und doch hatte ich, als ich da mit nacktem Oberkörper vor Shiny auf einem Bock saß, sehr viel Spaß daran, mit ihr darüber zu verhandeln (als ob), zu betteln (das trifft es eher!) und zu versuchen, den Schlägen auszuweichen (daneben stand ein Bett mit Segufix, also… Vielleicht nächstes Mal… Just saying!), alles natürlich vergeblich. Es ist einfacher, wenn man die Schläge nicht sieht, aber ich kämpfe manchmal gerne, mit meinem Gegenüber und mir selbst. Zappeln, Fiepen, Wimmern, Lachen, das tat sehr gut und es gab ein paar sehr schöne Striemen auf meiner Haut ❤️
- Und dann war da noch die spontane Session mit einem Menschen aus diesem Rudel. Spontan, weil wir eigentlich für Dienstag Abend verabredet waren. Aber ich war Montag Abend noch wach, hatte ein dringendes Bedürfnis nach Schmerzen, und es gab an diesem Ort drei Personen, denen ich es gestattet hätte mir in diesem Moment Schmerzen zuzufügen. Zwei davon schliefen bereits auf unserem gemeinsamen Zimmer, und der dritten Person lief ich glücklicherweise in die Arme. Impactplay mit einem sehr grob strukturierten Gummipaddle, autsch. Er verteilte die Schläge auf meinem ganzen Körper, bis einfach alles gleichmäßig brannte. Ich hasse Gummispielzeuge 😬 Und danach wandte er sich einigen Druckpunkten zu, und fuck, das war eine ganz andere Nummer. Wunderschöne, leise Schmerzimplosionen, die da unter meiner schon brennenden Haut zündeten, die jedes andere Schmerzen, Denken, Fühlen einfach ausradierten. Meine Menschen sagen mir immer, ich solle atmen, wenn ich mal wieder vor Schmerz die Luft anhalte, aber mach das mal, wenn dein Schlüsselbein wegbrennt 🫠 Ich denke, das ist eine Schmerzvariante, mit der man mich sehr schnell an mein Safeword bringen kann, aber da ist dennoch Raum zum Spielen und weiter Erkunden.
Es war wirklich gut, dass ich abends dem Impuls nachgab, nochmal in den Trubel dieser Menschen einzutauchen und diese Erfahrung zu finden. Zwölf Stunden später war ich dann out of order und es gab keine weiteren Sessions in diesem Urlaub.
Ich konnte zwei kinky Workshops besuchen: einen zum Thema “Wie plane ich eine kinky Veranstaltung” und einen Tret-Workshop.
Der erste Workshop hat mir sehr deutlich gezeigt, wie anders unser Vorgehen bei unserer Veranstaltung war, die ja tatsächlich (und ich hasse diese Floskel im Berufsleben) natürlich gewachsen ist. Da gab es anfangs wenig Überlegungen, daraus hat sich aber etwas wunderschönes entwickelt.
Und der Tret-Workshop war so toll! Wir saßen da in größerer Runde und haben nach einem Technik-Teil vor allem über unsere Motivation zu diesem Thema geredet, das waren sehr schöne Einblicke und Denkanstöße. Und wie bezaubernd unsere Hosts waren 🥰 Diesen Moment, in dem er sie auf den Boden zwang und zutrat, und sie einfach nur vor Vergnügen laut loslachte, würde ich gerne nochmal erleben. Treten sieht so grob und brutal aus, muss aber gleichzeitig mit Vorsicht und Bedacht geschehen, da ist im selben Moment soviel Respekt und Respektlosigkeit im Spiel, es fasziniert mich. Achja, und es fühlt sich gut an =D
Ich hielt mich beim Praxisteil zurück und saß am Rand, als sich in dieser Gruppe passende Konstellationen zum gemeinsamen Ausprobieren suchten und fanden. Vermutlich könnt ihr euch nicht vorstellen, wie verrückt das aussieht, wenn wie auf Knopfdruck so ein Haufen Menschen spontan anfängt sich gegenseitig liebevoll zu mobben und zu rangeln um sein Gegenüber auf den Boden zu kriegen, andere sich freiwillig ihrem Partner zu Füßen werfen/rollen, um sich dann einvernehmlich treten zu lassen, sich dann in diesem koordinierten Gewimmel neue Konstellationen bilden und man einem gemeinsamen Vibe folgend Spaß hat. Crazy. Ziemlich lustig und wunderschön, ich hab so Lachen müssen =D
Generell gab es immer wieder Momente, in denen ich mich so fern von der realen Welt gefühlt habe und stattdessen so aufgefangen in dieser nicht nur kinky, sondern vor allem toleranten Umgebung. Ich fühlte mich angenommen und angekommen, was mir letztes Jahr noch schwer fiel. Das ging uns allen in diesem Polykül so, dieses Jahr gehörten wir dazu, waren auch selber bereit uns dafür zu öffnen. Und ich weiß, nicht nur ich hatte schöne Momente mit Menschen aus diesem Rudel ❤️
Dieses wirklich Abschalten, das Ablegen der Masken für eine Woche, ist für mich so wertvoll, das wird auch nicht durch krank sein getrübt. Ich mag Dinge verpasst haben, aber ich habe auch so viel Schönes erlebt. Und ich freue mich auf die kommenden Urlaube in dieser Umgebung, das nächste mal hoffentlich haubarer 😊
* janz weit draußen