Ohne Filter

Gestern nacht gab es neben dieser bereits getippten Phantasie noch ein anderes Thema, das mich beschäftigte. Es kursieren all diese wundervollen Bilder, diese Gifs und Videos, perfekt ausgeleuchtet, retuschiert oder auch nicht, aber ästhetisch wunderschön anzusehen.

Und dann gibt es die Realität, es gibt mich. Mir fiel es anfangs schwer, manches zu retweeten, weil ein RT für mich auch durchaus einen Wunsch ausdrückt. „Das hätte ich jetzt gerne, das wäre jetzt gerade schön.“ Da sind aber Sachen bei, die ich gar nicht kann, sei es nun auf dem Boden zu knien oder mich irgendwie zu verbiegen. Ich bin nunmal begrenzt durch meinen eigenen Körper, habe nur meine eigenen Möglichkeiten. Und das hatte ich immer im Hinterkopf.

Ich war in diesem Punkt immer sehr zurückgezogen. Es gab durchaus erotische Bilder von mir, aber immer nur von einzelnen Stellen meines Körpers. Meine Partner mussten anfangs immer etwas kämpfen, um mir klarzumachen, dass sie mich wirklich wollten, nackt. Ich erinnere mich noch an die erste Nacht mit Batman, an meine Tränen und diese Hürde, über die ich da musste. Die war gigantisch.

Heute ist es einfacher. Das mag komisch klingen, aber ich weiß noch, als ich nach dem ersten Gespräch mit meinem jetzigen Herrn nach Hause ging, stellte ich für mich trotzig fest: Er hat mich gesehen, er weiß, worauf er sich einlässt. Und auch wenn ich manchmal meine schwachen Momente habe, ist es genau das, was mir hilft: er hat mich ausgewählt. Sollte er sich jemals für mich schämen müssen und mich hässlich finden, dann aufgrund meines Verhaltens, welches dann offensichtlich nicht angemessen war. Aber nicht aufgrund meiner Kleidergröße, meiner Dehnungsstreifen, meiner Schwimmringe.

Und deswegen ist die Geschichte der letzten Nacht etwas sehr besonderes für mich, denn das bin ich. In meiner Phantasie, in meinen Bildern war das nicht irgendwer, das war ich. Und so habe ich es auch geschrieben. Das mag für andere eine Kleinigkeit sein, für mich war das Wort „Schneidersitz“ eine weitere Hürde. Ich habe sie genommen.

Wir sind, wer wir sind. Wir können uns verändern, wenn wir das wollen, oder so bleiben, innen wie außen. Das sind wir. Und wir sind gut =*

3 Gedanken zu „Ohne Filter“

  1. Ich finde die Sichtweise in etwa deckend mit meiner als Teenager. Ich hatte Akne im schlimmsten Stadium und du kannst dir sicher vorstellen, wie es gewesen war. Zum Glück war ich einer der stärksten Jungs in der Schule und so blieb mir das gehänsel erspart. Aber eines hat es mich gelehrt, ich schaue bei einem Menschen immer zweimal hin. Denn unter der hässlichen Schal kann sich ein Diamant verstecken

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