Sex und Geld und ein Mini-Rage

Am Anfang war dieser Artikel.

„Aber ich werde gerade nicht schwanger und ich mache regelmäßig HIV-Tests“, sage ich. „Ich habe kein Aids“, ist seine empörte Antwort.

An ungefähr dieser Stelle begann der Teil meines Gehirns, der sich mit intelligenten Handeln befasst, sich vor Verzweiflung zu winden und laut „OB DU KRANK WERDEN WILLST HAB ICH GEFRAGT“ zu schreien. Wieder und wieder. Und wieder.

Sex ist geil. Und auch ich mag keine Kondome. Aber ich mag auch keine Schutzimpfungen. Und keine Sicherheitsgurte. Oder Fahrradhelme. Aber irgendwie hinterfrage ich so sinnvolle Erfindungen nicht, wenn ich mir einmal den Artikel zu Tetanus durchgelesen habe. Oder einen Crash-Test angeguckt habe. Oder so ein Melone-in-Fahrradhelm-Video.

Und wenn ich mit jemandem schlafe, den ich nicht kenne, scheiß ich auf irgendwelche Aussagen und nehme Kondome. Und wenn der andere das nicht tut, ist er dämlich. Ich sage nicht, dass man in längeren Beziehungen Kondome nicht weglassen kann. Aber doch nicht bei einem spontanen Fick mit einer neuen Bekanntschaft.

Aber das eigentliche Thema finde ich gut. Kosten teilen und so, generell. Gleichberechtigung, yahay! *packt das Feminismus-Transpi aus*

Und so als Frau muss ich sagen, das ist schon verdammt ungerecht. Ständig werde ich eingeladen. Kaffeedate, Swingerclubbesuch, Essen. Gestern auch wieder. Er zahlt den Eintritt, ich steh daneben und gucke mir dezent die hübschen Bilder an. Hätte ich Geld dabei gehabt? Nein. Ja, schlau. Ich weiß.

Aber prinzipiell finde ich diese Einladerei… schwierig. Es gab auch durchaus Momente, in denen ich auf meinen Teil der Rechnung bestanden habe. Im letzten Sommer habe ich mich einmal in den Club einladen lassen, danach haben wir die Kosten geteilt. Alleine hätte ich weniger bezahlt, aber ich war ja mit meiner Begleitung da. Beim letzten Besuch hatte er kein Geld für sowas über, ich aber schon. Also hab ich das ganz übernommen. (Ob das Schiefgehen dieses Besuchs etwas mit dieser Tatsache zu tun hat… nein, ich glaube nicht.)

Dabei habe ich nicht das Problem, dass ich Sex gegen Geld ungehörig finde. Zumal ja vermutlich gleich jeder abwinken und mir erklären wird, dass er für ein Essen keine Gegenleistung erwartet. Und auch wenn er den Eintritt zahlt, weiterhin „Alles kann, nichts muss“ gilt. Sex gegen Geld finde ich vollkommen in Ordnung, solange ich die Wahl habe und kein Zwang dahintersteckt. Wenn der nette, gutaussehende Kerl mir dafür was zusteckt, dass auch ich meinen Spaß haben durfte, so what? Aber es ist ein Unterschied, ob ich jemandem einen blase und er die Hotelrechnung übernimmt, oder ob ich das tue damit er die Rechnung übernimmt. Das eine ist Zuneigung, das andere ist Prostitution. Auch das ist wertfrei geschrieben, es sind einfach unterschiedliche Dinge. Und ich schlafe lieber aus Zuneigung mit jemandem.

Ich finde es ok, eingeladen zu werden. Ich finde es aber nicht ok, dieses Thema einfach nicht anzuschneiden, das finde ich undankbar. Und ich sehe es nicht als Selbstverständlichkeit. Sollten wir auch nicht. Wie soll man denn über den Pay Gap meckern, aber in dem Punkt dann einen auf altes Weltbild machen?

Und was die Verhütung angeht… Kondome kann man super pro Stück abrechnen. Diesen Betrag durch zwei geteilt zahlt verblüffenderweise jeder seinen Anteil an der Verhütung! Es kann so einfach sein =)

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