Bitte schlagt mich

Ich bin ein stimmungsschwankender Junkie.

Meine letzten Wochen waren sehr schön. Ich durfte Zeit und Gefühle mit Menschen teilen, die ich sehr schätze, und wurde von ihnen liebevoll umsorgt, die Spuren auf meinem Körper zeugten davon. Kratzer, blaue Flecken, Gummi-Flitsch-Spuren, Bissspuren. Wusstet ihr, dass sich auch unter Kratzern, wenn sie fest genug waren, blaubunte Flecken bilden? Das war sehr spannend zu beobachten.

Die mit mir Spielenden waren Twin und ein noch namenloser Mann, wir suchen noch nach dem Namen für meine Texte hier.  Aber er spielt in den letzten Wochen eine größere Rolle, seit wir feststellten, dass wir gemeinsam unsere Freundschaft auf eine spielerische Freundschaft Plus ausweiten möchten.

Und seitdem nähern wir uns an, testen aus, was mögen wir, was wollen wir, was können wir uns gegenseitig geben. Ein spannender Prozess, berauschend in manchen Momenten, wenn ich zum Beispiel merke, wie sehr ich mich in unser Spiel fallen lassen kann, wie ich vertraue und in meinem Inneren Türen öffne, weiter gehen möchte. Oder ich in meinem Alltag sitze, die letzten Spuren nachfühle, und einfach mehr möchte. Mehr Au. Mehr Fliegen. Mehr Tiefe. Kratzen, beißen, Atem nehmen. Einfach mehr.

Aber auch beängstigend, wenn ich die andere Seite spüre, das Vermissen, das Sehnen, das Mehr haben wollen, insbesondere von Dingen, die meine Partnerin einfach nicht kann (spontan wesentlich kräftiger sein als ich, zu Beispiel), die Angst, mich hier zu verlieren, sie zu verlieren. Oder auch die Sorge, durch mein “More, more, more!” meine Sadisten zu überfordern, sie schlicht zu überholen mit meinem durchaus hemmungslosen Tempo. Ich bin halt eher Team “Lieber hinterher entschuldigen als vorher fragen” und “Naja, solange es wieder verheilt… ” und ich weiß, wie beschissen das für verantwortungsvolle Sadisten ist. Mich hätte solch ein Gegenstück vollständig überfordert und so sind sie sehr vorsichtig. Also versuche ich, nicht zu needy zu sein (Betonung vermutlich auf Versuchen) und auszuloten, wo unser gemeinsamer Standpunkt gerade ist. Wieviel Nähe, körperlich, emotional für alle ok ist. Wieviel Schmerz. Welche Intensität. Wir reden, wir klären, wir teilen uns mit, wir sind auf einem sehr schönen Weg, denke ich.

Hätte ich diesen Beitrag heute vormittag geschrieben, wäre es ein sehr langes “Aber ich will doch mehr Schmerzen bitte! ” geworden. Heute nachmittag eine Mischung aus “Er fehlt mir so sehr” und “Das ist meiner Partnerin gegenüber krass unfair” gewesen. Ich habe Ängste, Sorgen und zwischendurch das breiteste Grinsen seit sehr langer Zeit im Gesicht.

Ich würde sagen, alles wie immer. Nur mit mehr Sonnenschein.

Bitte schlag’ mich“, Original von Ostfront, ich bevorzuge aber die Version von Saltatio Mortis.

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